Reinigung und Konservierung verschiedener Großobjekte im Erdölmuseum Wietze

Aufwältigungswinde Erdölmuseum Wietze

Wietze liegt am Südrand der Lüneburger Heide und blickt auf eine lange Geschichte in der Erdölförderung zurück.

Schon im 16. Jahrhundert wurde in Wietze Öl abgeschöpft, das in so genannten Teerkuhlen an die Erdoberfläche trat, und als Schmier- und Heilmittel verkauft.

Im 19. Jahrhundert begann auch in Wietze die Industrialisierung. Eine der weltweit ersten Erdölbohrungen wurde in Wietze durchgeführt. Als das produktivste deutsche Erdölfeld lieferte es zwischen 1900 und 1920 fast 80% der gesamten Erdölförderung Deutschlands. Rund um das Ölfeld entstand ein Industriekomplex mit Bahnhof, Hafen, Verwaltungsgebäuden und Arbeiterunterkünften.

1963 wurde die Ölförderung in Wietze eingestellt. 1970 entstand auf dem Gelände das erste Erdölmuseum der Welt. Heute gibt es im Erdölmuseum Wietze neben dem Museumsbetrieb zahlreiche Veranstaltungen.

Das Restauratoren-Team von TriKonBerlin wurde im Sommer 2015 mit der Restaurierung einiger der Außenexponate beauftragt.

Restaurierung der schienengebundenen Aufwältigungswinde im Erdölmuseum Wietze

Eine Aufwältigungswinde ist eine kleine, leichte und einfach gebaute Bohranlage. Sie wird zur Reparatur defekter Bohrungen genutzt.

Die Aufwältiungswinde wurde 1957 gebaut und von der Deutsche Schachtbau und Tiefbohrgesellschaft betrieben.

Zustandsbeschreibung

Die Oberflächen des Schienenwagens und des dazugehörigen Turms sind mit einem grünen Moosschleier und von Flechten überzogen. Die Beschichtung der gesamten Oberfläche beginnt sich zu lösen und blättert. Nicht beschichtete Flächen sind korrodiert.

Aufwältigungswinde Erdölmuseum Wietze

Das Fahrgestell ist vor allem auf der Seite des Turms stark durch Korrosion beeinträchtigt. Einige Stahlprofile sind bereits durchgerostet und nicht mehr tragfähig.

Das Fahrwerk hat in diesem Bereich keine statisch relevanten Eigenschaften mehr. Das Dach des Schienenwagens ist stellenweise durchkorrodiert.

Aufwältigungswinde Erdölmuseum Wietze

Aufwältigungswinde Erdölmuseum Wietze

 

Im Turm befinden sich lose Stahlseile deren ursprüngliche Funktion nicht eindeutig nachvollziehbar ist. Andere Seile die sich noch in ihrer ursprünglichen Lage befinden sind stark korrodiert.

Aufwältigungswinde Erdölmuseum Wietze

Bohrturm F24

Einige der Türen, hinter denen das Aggregat zum Antrieb der Winde untergebracht ist, stehen offen. Diverse Teile, wie z.B. das Auflager für den kippbaren Turm und ein Leiterelement wurden vermutlich für den Transport der Winde demontiert und nicht wieder aufgebaut. Die Teile sind am Fahrzeug gelagert.

Aufwältigungswinde Erdölmuseum Wietze

 

Restaurierungsziel

Die Objekte im Außenbereich des Museums sind in den letzten Jahrzehnten wenig gepflegt worden. Der starke biologische Bewuchs lässt die Objekte ungepflegt erscheinen.

Für den Betrachter wird die Form und die ursprüngliche Funktion der Geräte schwerer nachvollziehbar. Der Bewuchs bindet außerdem Feuchtigkeit und Schadstoffe auf den metallischen und beschichteten Oberflächen. Der Zerfall der Objekte wird so beschleunigt.

Ziel der Maßnahme ist die möglichst vollständige Entfernung des biologischen Bewuchses. Durch das aufbringen eines temporären, transparenten Korrosionsschutzes werden die Objekte konserviert.

Restaurierungs-Maßnahmen

Alle Oberflächen werden entsprechend ihres Zustandes mit einem Warmwasser
Hochdruckreiniger vom biologischen Bewuchs befreit.

Durch vorsichtiges sweepen (strahlen) der Oberfläche wird die Korrosion ausgedünnt und Ablaufspuren auf der Beschichtung werden reduziert. Stark korrodierte Bereiche werden vorab mit dem Nadler gereinigt.

Aufwältigungswinde Erdölmuseum Wietze

Abschließend werden alle Oberflächen mit einem Korrosionsschutzwachs beschichtet.

Materialien

Reinigungsmittel: H2O, Hochdruck, teilweise warm ohne Zusatzstoffe.
Strahlmittel: Glasperlen 70 -110 my.
Konservierungsmittel: OKS 2100

Unsere Arbeit in Bildern

Empfehlung

Die Objekte sollten nach visueller Begutachtung in regelmäßigen Abständen erneut gereinigt und gewachst werden. Die Intervalle richten sich vor allem nach der Neubildung von Bewuchs. Sie sind jedoch auch von der Beschaffenheit der Objekte abhängig. Besonders empfindliche Bereiche sollten perspektivisch konstruktiv vor Witterung geschützt werden.